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Warum Standort und Konzept heute über Erfolg entscheiden

Beitrag von Alexander Schmid, Geschäftsführer Region Mitte bei Aurelis Real Estate

Die Entwicklung des deutschen Logistikimmobilienmarktes in den vergangenen zehn Jahren lässt sich in drei Phasen einteilen: Auf eine Phase dynamischen Wachstums, getrieben durch E-Commerce und veränderte Lieferketten, folgte eine spürbare Korrektur. Heute befindet sich der Markt in einer neuen Phase der Stabilisierung. Der Bedarf an modernen Logistikflächen steigt zwar wieder, allerdings auf einem deutlich anspruchsvolleren Niveau.

Die Nachfragesignale sind dabei eindeutig: Im ersten Quartal dieses Jahres wurde eine wesentlich höhere Vertragsanzahl registriert als in den Jahren seit 2022, wobei auch wieder deutlich mehr großflächige Verträge abgeschlossen wurden. Treiber bleiben insbesondere der E-Commerce und weitere wachstumsstarke Branchen wie die Pharmaindustrie oder der Verteidigungssektor.

Diese Nachfrage ist jedoch kaum noch mit den Anforderungen von vor wenigen Jahren vergleichbar. Sie ist merklich selektiver geworden. Während sich Logistikflächen vor der Pandemie noch nahezu automatisch vermieteten, entscheidet heute eine Kombination aus Standort, Nutzungskonzept und langfristiger Perspektive über den Erfolg eines Projekts.

Fläche allein reicht nicht mehr

Diese Entwicklung verändert die Rolle von Projektentwicklern grundlegend. Erfolgreiche Logistikentwicklung bedeutet heute mehr als nur die Bereitstellung von Flächen: Projektentwickler werden zu strategischen Partnern ihrer Nutzer. Die Immobilie ist damit integraler Bestandteil der Wertschöpfung und keine austauschbare Hülle.

Denn Logistik funktioniert nur dann zuverlässig, wenn Standort und Konzept konsequent auf die Abläufe der Unternehmen ausgerichtet sind. Gleichzeitig stehen viele Nutzer durch steigende Mieten, Energiepreise und Personalkosten unter erheblichem Kostendruck. Umso wichtiger ist es, dass Immobilienlösungen den Business Case der Nutzer aktiv unterstützen, beispielsweise durch Effizienz, Skalierbarkeit und Planungssicherheit.

Vier Menschen die an einem Tisch stehen oder sitzen und über Pläne sprechen. KI
Bei der Planung wichtig: Die Ausrichtung auf spezifische Nutzeranforderungen und zukünftige Entwicklungen

Für Projektentwickler bedeutet das: Klassische Standardlösungen greifen zu kurz. Gefragt sind Entwicklungen, die sowohl aktuelle Anforderungen erfüllen als auch zukünftige Veränderungen antizipieren. Entscheidend ist in diesem Kontext, ob ein Entwickler Grundstücke mit belastbarer planungsrechtlicher Perspektive identifizieren, kommunale Zielsetzungen realistisch einschätzen und Genehmigungsprozesse strukturiert begleiten kann. Gleichzeitig sind hohe ESG-Standards längst keine Differenzierungsmerkmale mehr, sondern Pflicht. Technologische Entwicklungen wie Automatisierung und KI-gestützte Steuerung stellen zusätzliche Anforderungen an Gebäude und Infrastruktur.

Der Markt ist da, die Anforderungen auch

Die zentrale Frage hat sich damit verschoben. Während früher Geschwindigkeit und Volumen im Vordergrund standen, liegt der Fokus heute auf der präzisen Umsetzung individueller Nutzeranforderungen: von der erforderlichen Hallenhöhe über den spezifischen Energiebedarf bis hin zur IT-Infrastruktur und Erweiterungsfähigkeit. Markt- und Standortkenntnisse sind somit kein Add-on mehr, sondern integraler Bestandteil jeder Entwicklung.

Infrastruktur wird zum entscheidenden Faktor

Parallel dazu rückt die Infrastrukturfrage stärker in den Mittelpunkt. Neben klassischen Kriterien wie die Verkehrsanbindung oder die Arbeitskräfteverfügbarkeit gewinnen neue Faktoren an Gewicht. Die zunehmende Elektrifizierung von Lkw-Flotten verändert den Energiebedarf vieler Standorte spürbar und stellt neue Anforderungen an Netzanschlüsse und Ladeinfrastruktur. Wettbewerbsfähig sind vor allem Standorte, die nicht nur heute funktionieren, sondern auch technologische Weiterentwicklung strukturell abbilden können, beispielsweise durch ausreichende Transformationskapazitäten, Flächen für Ladeinfrastruktur und eine skalierbare Energieversorgung. Das führt zu einer Ausdifferenzierung des Marktes: Standorte, die diese Anforderungen bereits erfüllen oder strukturell erfüllbar machen, gewinnen an Attraktivität. Lagen mit veralteter Infrastruktur und eingeschränkter Transformationsfähigkeit geraten hingegen unter Druck.

Gebäude müssen sich innerhalb klarer Rahmenbedingungen weiterentwickeln lassen. Das ist auch entscheidend für ihre Drittverwendungsfähigkeit – ein zentrales Kriterium für Investoren und Nutzer.
Alexander Schmid Geschäftsführer Aurelis Region Mitte

Flexibilität gewinnt in diesem Kontext eine neue Bedeutung. Es geht nicht mehr um kurzfristige Austauschbarkeit, sondern um strukturelle Anpassungsfähigkeit. Gebäude müssen so konzipiert sein, dass sie sich innerhalb klarer Rahmenbedingungen weiterentwickeln lassen. Das ist auch entscheidend für ihre Drittverwendungsfähigkeit – ein zentrales Kriterium für Investoren und Nutzer gleichermaßen.

Entwicklung aus dem Bestand heraus

Für Aurelis ist dieser Ansatz eng mit unserem Geschäftsmodell verbunden. Als Brownfield-Spezialist verfügen wir über ein umfangreiches Bestandsportfolio und entwickeln Flächen dort weiter, wo bereits gewachsene Strukturen vorhanden sind. Gerade in einem Markt, in dem verfügbare Entwicklungsgrundstücke – insbesondere in Metropolregionen – immer knapper werden, ist dieser Bestandszugang ein echter Wettbewerbsvorteil.

Wir setzen gezielt auf langfristig tragfähige Standortentwicklungen statt auf kurzfristige Opportunitäten. Nutzeranforderungen fließen frühzeitig in unsere Konzepte ein, mit dem Ziel, Immobilien zu schaffen, die auch unter veränderten Marktbedingungen funktionieren. Gleichzeitig bringen wir die notwendige Planungssicherheit in komplexe Entwicklungsprozesse – von der Baurechtschaffung bis zur Umsetzung. Unsere Stärke liegt in der Kombination aus gesichertem Flächenzugang in etablierten Gewerbelagen, tiefem Marktverständnis für die spezifischen Anforderungen von Logistik- und Industrienutzern sowie der Kompetenz, komplexe Baurechtschaffungsprozesse strukturiert und verlässlich umzusetzen.

Was sich in den vergangenen Jahren verändert hat, ist die Fehlertoleranz. Solange die Nachfrage jeden Standort trug, blieben Konzeptlücken unsichtbar. Heute werden sie sichtbar – in Leerständen, in Vermietungszeiten und in Abschlägen auf den Kaufpreis. Der Markt ist zurück, aber er korrigiert jetzt präziser als zuvor. Wer das versteht, hat einen strukturellen Vorteil – über den gesamten Lebenszyklus der Immobilie.