Wenn der erste Tag im Büro zum Comeback wird

Nach einer Kündigung doch wieder zum alten Arbeitgeber zurückzukehren ist für viele nicht vorstellbar. Klar, in den häufigsten Fällen gibt es für eine Beendigung des Arbeitsverhältnisses auch nachvollziehbare Gründe. Warum Birgit Schweiger zu Aurelis zurückgekehrt ist, erläutert sie in diesem Beitrag.

Als ich 2020 – nach zwei Monaten bei einem anderen Unternehmen – zu Aurelis zurückkehrte, hatten einige meiner Freunde vor allem eine Frage: „War das nicht unangenehm, zu deinem alten Arbeitgeber zurückzugehen, nachdem es bei einer anderen Firma nicht geklappt hat?“ Dass ich mir selbst diese Frage nie gestellt habe, war einer der Gründe, warum ich zurückgekommen bin. Unangenehm war mir bei Aurelis nichts – im Gegenteil: Alles, was mir hier jemals von Team und Vorgesetzten entgegengebracht wurde, war aufrichtiger Respekt und Wertschätzung. Heute, mit einiger Erfahrung als Teamleiterin, die selbst neue Mitarbeitende eingestellt hat, bin ich überzeugt, dass das ein Schlüssel ist, um gute Fachkräfte zu finden, zu halten – und im Zweifelsfall zurückzugewinnen.

Ich hatte Aurelis verlassen, weil ich auf der Suche nach einer neuen Herausforderung war. Meine Arbeit als Asset und Property Managerin gefiel mir zwar gut, aber ich wollte wachsen, und ein anderes Unternehmen bot mir die Leitung einer Niederlassung an. Vom Tag meiner Kündigung bis nach meinem Abschied machte die Geschäftsleitung von Aurelis deutlich, dass sie meine Entscheidung respektiert, aber traurig war, mich zu verlieren – und mich jederzeit wieder mit offenen Armen empfangen würde. Kurz danach musste ich feststellen, dass meine neue Stelle nicht das war, was ich erhofft hatte, und kündigte sie wieder. Ich hatte bereits mehrere andere Möglichkeiten – Fachkräfte sind zurzeit knapp und entsprechend umworben. Doch dann meldete sich die Geschäftsführung von Aurelis und erinnerte mich daran, was bei der Wahl des Arbeitgebers wirklich zählt.

Der Anruf hatte gar nicht zum Ziel, mich zurückzulocken, sondern kam aus ehrlichem Interesse: Wie es mir ging beim neuen Arbeitgeber, ob die neue Stelle gut lief. Ich erzählte von der Kündigung. Und musste gar nicht um den alten Job bitten, von dem ich mich ja ohnehin wegentwickeln wollte. Stattdessen kam die Frage, ob ich nicht Interesse hätte, in die Projektentwicklung zu wechseln. Man habe verstanden, dass ich mehr Verantwortung wolle; man habe da ein größeres Grundstück, das zu entwickeln sei; man glaube, dass ich das Projekt zum Erfolg führen könne.

Was ich zwischen den Zeilen hörte: Wir haben dir zugehört. Wir schätzen dich und trauen dir etwas zu. Wir wollen dir Raum geben, dich zu deinem vollen Potenzial zu entwickeln.

Die Botschaft kam an. Und ich kam zurück.

Der Wiedereinstieg war eine Mischung aus Gewohntem und Neuem. Ich kannte das Unternehmen, die Kolleginnen und Kollegen, die internen Abläufe. Zugleich bekam ich die neue Herausforderung, die ich mir gewünscht hatte. Dieser Neuanfang im Vertrauten machte mir vieles leichter – und half mir, wie ich glaube, später selbst eine engagierte Vorgesetzte zu sein, indem ich unter anderem ein Mentoringprogramm in der Abteilung einführte, das neuen Mitarbeitenden den Einstieg ebenso leicht machen soll. Denn nach etwa einem halben Jahr bot mir Aurelis die Teamleitung im Asset und Property Management an und damit die Personalverantwortung, die mich an der Stelle bei dem anderen Unternehmen so gereizt hatte. Damit landete ich bei Bewerbungen auf der anderen Seite des Tisches. Und stellte fest, dass die jungen Talente, um die wir werben, ganz ähnliche Wünsche haben. Sie fragen, wie das Team zusammenarbeitet, wie die Kollegen und Kolleginnen miteinander umgehen, wie sich die Vorgesetzten verhalten. Ob die Entscheidungswege klar sind, die interne Kommunikation transparent, die Leitsätze des Unternehmens – von der Corporate Governance bis zur Nachhaltigkeitsstrategie – überzeugend. Ob es Weiterbildung und Raum zur Entwicklung gibt. Als Teamleiterin bin ich froh, dass ich diese Fragen alle sehr positiv oder mit einem klaren Ja beantworten kann.

Viel wurde gesagt und geschrieben über den Fachkräftemangel in der Immobilienbranche und was dagegen zu tun sei. Aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich: Das Wichtigste ist eine Unternehmenskultur, die von Respekt und Transparenz geprägt ist. Bewerber wollen nicht das Blaue vom Himmel versprochen bekommen, sondern wissen, worauf sie sich einlassen – auf welche Chancen und auf welche Herausforderungen. Sie wollen wissen, wofür ein Unternehmen steht, und sich damit identifizieren. Sie wollen Vorgesetzte und Kollegen, die sie respektieren können und von denen sie respektiert werden, und ein Team, das wertschätzend miteinander umgeht. Wer das anbietet, kann nicht nur neue Fachkräfte anlocken – sondern auch Ehemalige zur Rückkehr bewegen.